Cape Canaveral & Kennedy Space Center

Cape Canaveral und Kennedy Space Center – sicher ein Highlight für einen Ingenieur! Raketen zum Bestaunen und Mondgestein zum Anfassen, wenn das das Ingenieurherz nicht erfreut, was dann?

Kennedy Space Center

Kennedy Space Center

Am Abend nach unserer Ankunft haben wir uns wieder mit Tanya und Hansi getroffen und gemeinsam zu Abend gegessen. Anschließend gab es noch ein lecker Weinchen bei uns auf dem Zimmer. Beim Frühstück am nächsten Tag gab ich schon ein bisschen aufgeregt die Adresse ins Navi und das zeigte mir fast 1 Stunde Fahrzeit an. Wir waren von ein paar Minuten ausgegangen, schließlich liegt das Space Center quasi neben dem Hotel. Nach einem kurzen Blick in die Karte mussten wir feststellen, dass das Navi leider Recht hatte, denn der Eingang und vor allem die Straße dorthin wurden verlegt, so mussten wir nun einmal komplett außen herum fahren. Also nichts wie los…
Endlich angekommen konnte man dann schon den Raketengarten hinter dem Eingang sehen. Nach einem kurzen Blick in das Tagesprogramm gingen wir gemeinsam los. Zuerst durch den Raktengarten mit doch eher kleinen Raketen. Ich hatte mir die irgendwie größer vorgestellt. Auf der anderen Seite ist das Zeug auch wieder verdammt klein. Insbesondere die in Originalgröße ausgestellten Mercury, Gemmini und Apollo Raumkapseln sind wirklich sehr klein. Unten sieht man eine Kapsel in der 2 Astronauten 14 Tage angeschnallt die Erde umkreisten. Man muss sich das einmal vorstellen, 14 Tage angeschnallt auf dem Stuhl, keine Bewegung, immer nur sitzen. Wie das mit der Entsorgung des menschlichen Bioabfalls funktionierte wurde aber nicht erzählt- vielleicht ganz gut so…

Astronout Encounter

Der nächste Punkt war ein Besuch bei Astronaut Encounter, um einen Astronauten zu treffen und einen Vortrag anzuhören. Wir waren uns zuerst nicht so richtig schlüssig, ob wir das wirklich machen sollten. Aber es hat sich absolut gelohnt. Die Amerikaner können einfach gut reden und dann noch eine echte Astronautin – die war wirklich im All auf einer Shuttle Mission. Barbara Morgan hat wirklich toll erzählt. Wir waren alle ganz begeistert.

Sternbilder

Sternbilder

Danach trennten sich unsere Wege. Tanya und Hansi gingen zu ihrer Besichtigungstour. Wir machten uns auf zum Imbiss, um uns für unsere Führung zu den Startrampen zu stärken und erkundeten noch die große Sternenkugel. Amelie war ganz wild darauf ihr Lieblingssternbild Pegasus zu finden, was sie nach einiger Mühe auch getan hat. Der Massenunterschied zwischen Steinkugel und Amelie war doch sehr groß…

Launch Pad Tour

Frisch gestärkt haben wir uns dann angestellt, um in den Bus zur Führung zu kommen. Da die Karten für eine bestimmte Uhrzeit verkauft werden, war das allerdings nur eine kurze Schlange und gleich nach dem Einsteigen ging es los. Unser Führer war ein klein wenig sarkastisch – vielleicht wäre er lieber im Shuttle geflogen, als als Reiseführer zu arbeiten? Außerdem hat er ziemlich genuschelt und war leider schwer zu verstehen, so dass meine nicht so technikbegeisterten Damen ein wenig gelangweilt aus dem Fenster schauten. Ich war trotzdem sehr gespannt, denn zum ersten Mal seit 50 Jahren bietet die NASA Besuchern die Gelegenheit ein Lauch Pad (Startrampe) zu besuchen.

Assembly Building viel größer, als es aussieht

Assembly Building viel größer, als es aussieht

Zuerst ging es vorbei am sogenannten Assembly Building. Hier wurden die Space Shuttles für den Start zusammengebaut und fertiggemacht. Auch heute noch werden die Raketen hier für den Start vorbereitet. Das Gebäude sieht gar nicht sooo groß aus. Es fehlt einfach der Größenvergleich. Nachdem der Führer uns dann auf die kleine Tür unten rechts hingewiesen hat, die aussieht wie ein Mauseloch, aber eine sehr große 2-flügelige Tür ist, hat man plötzlich doch ein Größenverhältnis. Auf dem Bild sieht man die Tür neben den großen Toren unterhalb des grauen Streifens. Das Assembly Building ist übrigens das größte einstöckige Gebäude der Welt und 160 m hoch. Die 4 dunkelgrauen Tore sind mit 139 m Höhe die größten Türen der Welt und es dauert 45 Minuten sie zu öffnen. Laut Wikipedia ist das Gebäude so groß, dass sich bei feuchtem Wetter sogar Regenwolken innerhalb des Gebäudes bilden, vielleicht liegt das aber auch nur an der amerikanischen Lüftungstechnik…

Weiter ging es dann entlang der Kiesstreifen, auf der die Shuttles vom Assembly Building zur Startrampe gefahren wurden. Auch der sieht recht unspektakulär aus. Wenn man dann wiederum erfährt dass jeder der beiden Kiesstreifen so breit ist, wie eine 6-spurige Autobahn ändert sich auch hier das Bild. Man sieht es einfach nicht, weil hier alles so riesig ist. Die Kiesstreifen wurden von den Crawler Transporter benutzt, natürlich wieder die größten selbstangetriebenenn Landfahrzeuge der Welt. Auf dem Crawler war die mobile Startrampe montiert, auf der dann wiederum das Shuttle stand. Angetrieben werden die Crawler von 2 V16 Dieselmotoren mit je 2.750 PS. Zum lenken, bremsen, Licht etc. gibt es 2 weitere Motoren mit je 1.065 PS. Der Verbrauch liegt bei ökonomischen 296l/100km. Für eine Traglast von 5.400 t gar nicht so schlecht…

Shuttle Startrampe

Shuttle Startrampe

Die Fahrt ging dann weiter zum ersten Stop an der Startrampe 39A, von der der erste Shuttle Start 1981, alle späteren Shuttle Starts und auch ein Großteil der bemannten Mondflüge der Saturn V Rakete gestartet wurden. Außerdem hoben von dort auch die Missionen Skylab und Soyuz ab. Auch hier gilt wie überall: Es sieht einfach nicht sooo groß aus und auf den Bildern schon gar nicht. Trotzdem fand ich es toll. Der Turm ist runde 100 m hoch. Das Shuttle braucht ca. 3 Sekunden, um die obere Kante des Turmes zu erreichen und hat dann schon eine Geschwindigkeit von 160 km/h – von 0 auf 160 in 3 Sekunden. Sieht im Fernsehen immer so langsam und gemütlich aus, ist es aber wohl nicht!

Das Shuttle hat ein Gewicht von rund 2.000 t beim Start. Davon sind 1.700 t Treibstoff, die in den ersten 8 Minuten verbrannt werden. Allein die beiden Feststoffraketen, links und rechts vom großen Haupttank, verbrennen rund 10 t Treibstoff pro Sekunde!!! Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen – 10 Tonnen Treibstoff pro Sekunde. Dazu kommt, dass man die Feststoffrakten einmal gestartet, nicht mehr stoppen kann. Deshalb werden die Shuttle Triebwerke auch zuerst gestartet, dann 6,6 Sekunden später werden die beiden Booster gezündet. Als Astronaut fühlt man sich da glaube ich nicht wirklich wohl. Im Endeffekt sitzt man auf der Spitze einer Bombe und hofft, dass diese nur in die richtige Richtung losgeht.

Firetrench - der Flammenkanal

Firetrench – der Flammenkanal

Diese ganze Kraft braucht natürlich auch nach unten Platz, daher gibt es dort einen Flammenkanal, der wie der Name schon sagt, die Flammen kanalisiert und sicher ableitet. Dort war unser nächster Stop. Der gesamte Bereich ist mit Schamottesteinen ausgekleidet, die immer noch die ersten seit Beginn der Nutzung sind. Das Wasser, das beim Start immer verspritzt wird ist übrigens nicht zum Kühlen, sondern zur Geräuschdämpfung. Der Lärm muss wirklich Ohrenbetäubend sein. Man denke einfach wieder an die 10 Tonnen Treibstoff pro Sekunde… Ohne diese Geräuschdämpfung würde das Shuttle durch seinen eigenen Krach Schaden nehmen – fast schon eine lustige Vorstellung.

Museum des Apollo/Saturn V Programms (Mondlandung)

Nach der Besichtigung der Launch Pads ging es weiter zu einer Rekonstruktion eines Kontrollcenters der Saturn und Space Shuttle Missionen mit den Originalkonsolen. Anschließend kam ein weiterer Höhepunkt, die Ausstellungshalle mit einer Saturn V Rakete und vielen anderen Stücken aus dem Mondlandeprogramm. Die Saturn V war eine der leistungsstärksten Raketen weltweit und wurde unter der Leitung des Deutschen Wernherr von Braun entwickelt. Die Rakete war insgesamt 110,6 m hoch und beim Start fast 3 Tonnen schwer. Die 5 Triebwerke der ersten Stufe machten beim Start so viel Lärm, dass dies als das lauteste jemals von Menschen erzeugte Geräusch gilt (abgesehen von der Explosion einer Atombombe). Beim Start sind in dem 18 km entfernten Titusville jedesmal dutzende Fensterscheiben zerbrochen! In 18 km Entfernung!!!
Abgesehen von der Rakete kann man auch noch das Mondauto (natürlich nicht das Original, denn das steht noch oben), eine Original Kapsel und natürlich Mondgestein sehen. In einer Vitrine kann man sogar den Mondstein anfassen. Fühlt sich an wie Basalt von der Erde – ist aber eben vom Mond.

Damit ging ein sehr spannender und interessanter Tag – zumindest für mich – zuende.

Good By...

Good By…

Hier noch ein Link zum Blog Reisekoffer ebenfalls mit einem Bericht über das KSC

Advertisements

4 Gedanken zu “Cape Canaveral & Kennedy Space Center

  1. Ein sehr schöner Beitrag! Ich erlaube mir unter unserem Reisebericht den Link zu Eurem zu setzten, es ergänzt nämlich schön unsere Erfahrung. Den Astronout Encounter konnten wir nicht machen, ich weiß gar nicht mehr genau warum. Entweder ein falscher Tag oder die falsche Uhrzeit. Es wird dann aber irgendwann nachgeholt. Genauso wie der Assembly Building, ich weiss gar nicht, ob man es zu unserer Zeit besuchen konnte. Es war deshalb schön darüber in Eurem Blog zu lesen. Danke

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s