Vicksburg und seine Plantagenvillen

Diesen Abend verbrachten wir in Vicksburg. Zuerst sind wir entlang des Scenic Drive ein bisschen durch die Stadt gefahren, in der es neben den Murals, die über die Geschichte der Stadt erzählen, viele Plantagenhäuser gibt. Außerdem wurde hier im Sommer 1894 von Joseph Biedenharn zum ersten Mal Coca-Cola in Flaschen abgefüllt und in entlegenere Gebiete transportiert. Joe Biedenharn schuf damit ein völlig neues Vermarktungskonzept in dessen Folge Coca-Cola in alle Welt versendet wurde. Wir waren also an einem wahrlich geschichtsträchtigen Ort.

Die Nacht verbrachten wir in einem solchen Plantagenhaus auch Antebellum (lat: vor dem Krieg) genannt, dem Bazsynski House. Die Betten waren original alt (mit neuer Matratze), aber so hoch, dass eine kleine Treppe neben dem Bett nötig war, um hinein und heraus zu kommen – die Matratze ging unserer 9-jährigen Tochter bis zur Brust! Am nächsten Morgen hatten wir ein phänomenales Südstaaten-Frühstück und waren gut gestärkt für unsere Fahrt über Natches nach Houma.


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Blues Trail – auf der Route 61 nach Vicksburg

Blues Trail – Route 61

Die gesamte Gegend mit Memphis, New Orleans und Nashville ist sehr musiklastig und hat verschiedene Musikstile entscheidend geprägt oder überhaupt erst hervorgebracht. So überrascht es nicht, dass man hier auf dem Blues Trail fahren kann. Die Route 61, wie der Blues Trail im nationalen Straßensystem bezeichnet wird, führt einen von Memphis entlang der Geburtsorte bekannter Musiker und wichtigen (früheren) Konzerthallen bis hinunter nach Natchez. Diese Stellen sind mit blauen Tafeln markiert und einfach zu finden (es gibt noch viel mehr Marker, als nur an der Route 61). Ich muss allerdings zugeben, dass mir die meisten Namen völlig unbekannt waren… Einige bekannte, wie z.B. Sam Cooke, John Lee Hooker oder Ike Turner (der Ex-Mann von Tina) waren allerdings auch dabei. Wie man auf den Bildern erkennen kann, haben manche Veranstaltungsorte ihren Zenit definitiv überschritten. Die meisten Bilder wurden in Clarksdale aufgenommen, hier sieht man die Armut der Bevölkerung an allen Ecken und Enden. In Vicksburg und Natchez waren die Gebäude besser in Schuß, dafür kannte ich dort keinen einzigen der Künstler…

Irgendwo zwischendurch mehr oder weniger in the middle of nowhere hielten wir nichts ahnend an einer Tankstelle für einen kurzen Pippistop an. Erst beim herausgehen bemerkten wir es, wir waren am „Geburtsort“ des Teddy-Bärs! Der Geschichte nach war US Präsident Teddy Roosevelt auf der Bärenjagd und weigerte sich einen Bären zu erschießen. Die Geschichte ging als Cartoon um die Welt und führte wohl letztendlich zum Teddy-Bär, der wie wir ja alle wissen von Margarete Steiff aus Gingen genäht wurde. Diese Geschichte gibt es dort im Museum

Vicksburg Battle Field

Nach dem nicht ganz so spektakulären Blues Trail verbrachten wir die zweite Hälfte des Tages im Vicksburg National Military Park, einem der größten und bedeutendsten Schlachtfelder des amerikanischen Bürgerkriegs. Zwar nicht ganz so mädchengerecht, aber unsere Kinder waren wieder im Junior Ranger Fieber und daher ganz eifrig dabei die Aufgaben zu lösen. Wir haben kräftig geholfen und einmal mehr festgestellt, wie wenig wir doch noch immer von der amerikanischen Geschichte wissen. Man hat immer wieder das Gefühl, dass manches Wissen einfach vorausgesetzt wird, Wissen das wir Deutschen einfach nicht haben… Das Program ist angeblich auf ca. 1,5 – 2 h ausgelegt. Wir haben 3h gebraucht und hatten das Gefühl durchhetzen zu müssen. An dem ein oder anderen Punkt, insbesondere an dem Ironclad genannten und aus dem Mississippi geborgenen Kriegsschiff der Cairo Klasse wären wir gerne noch ein bisschen länger geblieben. In dem Park kann man locker einen ganzen Tag verbringen, auch wenn man kein Bürgerkriegsexperte ist oder werden will.

Die Nordstaaten unter Grant schafften es übrigens nicht die Stadt Vicksburg im Sturm zu erobern und begannen deshalb eine Belagerung. Nach 47 Tagen und mehreren erfolglosen Angriffen zeigte die Belagerung endlich Wirkung und Lieutenant General Pemberton kapitulierte am geschichtsträchtigen Datum 4. Juli und übergab die Stad an General Grant. Dies war einer der entscheidenden Wendepunkte im amerikanischen Bürgerkrieg.


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